Prof. Dr. phil. Staffan Müller-Wille

Staffan Müller-Wille verbindet in seinen Forschungen Fragen der Epistemologie mit sorgfältigen historischen Fallstudien zur Geschichte der Naturwissenschaften, Technik und Medizin. Gegenwärtig beschäftigen ihn drei Projekte, die alle in der einen oder anderen Weise um die Rolle der Klassifikation in den Lebenswissenschaften, einschließlich der Medizin und Anthropologie, kreisen. Drei Themen bestimmen gegenwärtig sein Forschungsprofil.

  1. Geschichte und Philosophie der modernen Systematik: 
    Systematik widmet sich der Beschreibung, Benennung und Klassifikation der organismen, und rückt zur Zeit unter dem Stichwort „Biodiversität“ wieder in den Vordergrund lebenswissenschaftlicher Diskussionen. Ihre Geschichte und Philosophie ist im Unterschied zu den experimentell vorgehenden Disziplinen jedoch wenig untersucht. Diesem Thema widmete sich das vom Wellcome Trust 2008 bis 2012 finanzierte Projekt „Re-writing the System of Nature“, das den papierbasierten Verfahren nachging, mit deren Hilfe der schwedische Naturforscher Carl von Linné (1707-1778) die Vielfalt der Pflanzen erfasste. Fragestellungen dieses Projekts werden für die Zeit nach Linné bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts in Zusammenarbeit im Rahmen der Arbeitsgruppe „Historisizing Big Data“ am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte sowie des Forschungsprojekts „Data Science“ am Forschungszentrum Egenis der Universität Exeter weiter verfolgt.

  2. Kulturgeschichte der Vererbung:
    Von 2001 bis 2011 wurden im Projekt “Kulturgeschichte der Vererbung” die politischen, medizinischen, und technologischen Kontexte untersucht, aus denen sich der moderne Vererbungsbegriff speiste, und auf die dieser seinerseits Einfluss hatte. Die Ergebnisse mittlerweile in einem gemeinsam mit Hans-Jörg Rheinberger verfassten Buch vor (Vererbung. Geschichte und Kultur eines biologischen Konzepts, Fischer Taschenbuch Verlag 2009).

  3. Rasse und Geschichte:
    Ein drittes Projekt schließlich beschäftigt sich mit der Geschichte der Rassenanthropologie seit dem 18. Jahrhundert, insbesondere mit der Frage, inwieweit „Rasse“ von Beginn an ein dynamisch angelegter Begriff war, der Vorstellungen von der Unveränderlichkeit der Arten unterlief, und gerade daraus seine politische Sprengkraft gewann.

Näheres zu allen drei Forschungsprojekten und eine vollständige Veröffentlichungsliste finden sie hier.

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Lübeck kämpft für seine Uni