Psychoanalyse. Wissenschaft oder Pseudowissenschaft?

(Modul PY2924-KP04)

Seminar im Sommersemester 2017
Wahlpflichtbereich GTE Psychologie (Bachelor und Master)


Dozierende
Dr. B. Stammberger (IMGWF)
Prof. Dr. A. Normann (TU Darmstadt)

Termine
Vorbesprechung: 28. April 2017, 14-18 Uhr im IMGWF/Dachgeschoss
Blockseminar vom 30.Juni-2.Juli 2017, IMGWF/Hörsaal

Seminarbeschreibung

Seitdem Sigmund Freud am Ende des 19. Jahrhunderts mit der Analyse und Aufzeichnung von Krankheitsfällen, Symptomen, Träumen und Fehlleistungen die psychoanalytische Theorie und Praxis begründet hatte, wurde immer wieder die Frage nach dem wissenschaftlichen Status der Psychoanalyse aufgeworfen. Für den Wissenschaftsphilosophen Karl Popper lieferte die Psychoanalyse zwar höchst interessante psychologische Hinweise, doch tue sie dies in nicht wissenschaftlich nachprüfbarer Form. Für Popper war deshalb, wie auch für andere Wissenschaftsphilosoph_innen des 20. Jahrhunderts (Thomas Kuhn, Paul Feyerabend), die Psychoanalyse keine Wissenschaft sondern eine Pseudowissenschaft. Andere Autor_innen hingegen haben betont, dass die Psychoanalyse nicht mit der Frage nach der empirischen Überprüfbarkeit ihrer Thesen sondern nach ihrem Beitrag für ein Verständnis des menschlichen Seelenlebens und der Kultur bewertet werden müsse. Andere wiederum wollten die Psychoanalyse mit den empirischen Naturwissenschaften gleichstellen und forderten die zentralen psychoanalytischen Konzepte einer experimentellen Überprüfung zu unterziehen. Seit ihrem Bestehen lassen sich so zahlreiche Versuche aufzeigen, die Psychoanalyse als Wissenschaft oder eben auch als Pseudowissenschaft, aber auch als Hermeneutik oder gar als Nicht-Wissenschaft zu re-formulieren. In den lang anhaltenden Auseinandersetzungen um die Theorien Freuds lässt sich eine außerordentliche Lebendigkeit bezeugen, in denen die Frage nach dem wissenschaftlichen Status der Psychoanalyse immer wieder neu zu beantworten versucht wurde.

Im Seminar soll ein Überblick über einige dieser Perspektiven verschaffen. Mit einschlägigen Texten von u.a. Adolf Grünbaum, Paul Riceour, Jürgen Habermas, aber auch von Sigmund Freud selbst, wird anhand unterschiedlichster Argumentationen den jeweiligen Paradigmen von Wissenschaftlichkeit nachgegangen.

Das Seminar wird im Co-Teaching-Format gemeinsam mit dem Philosophen Prof. Dr. Alfred Nordmann durchgeführt. An dem Seminar nehmen auch Philosophie-Studierende der TU Darmstadt teil. In dieser Konstellation von Philosophie, Kulturwissenschaften und Psychologie will das Seminar den vielfältigen wissenschaftstheoretischen Implikationen der Psychoanalyse nachgehen und dabei den Fokus auch auf die Debatten nach Wirksamkeit, Effizienz und empirischer Überprüfbarkeit legen. Das Seminar setzt keine inhaltlichen Kenntnisse voraus; verlangt jedoch die Bereitschaft, sich intensiv mit Texten auseinanderzusetzen.

Der genaue Ablaufplan sowie die Literatur werden zu Beginn des Sommersemesters bekannt gegeben.

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Lübeck kämpft für seine Uni