Seminare im SoSe18

Wahlfach: Psychoanalyse - Wissenschaft oder Pseudowissenschaft?

Modul PY2924-KP04

Dozierende/Modulverantwortliche: Dr. Birgit Stammberger

Mit der Psychoanalyse hat Freud eine Wissenschaft jenseits der Medizin, der Natur- und der Geisteswissenschaften begründet und dabei ihre therapeutische Zielsetzung getrennt von ihrem Anspruch auf ein spezifisches Wissen um den psychischen Apparat oder die Traumarbeit erarbeitet. Schon Freud war somit darauf bedacht, einen Nachweis zu führen für den Charakter der Wissenschaftlichkeit, des begründbaren Wissens und der Wissensgrenzen. Doch was macht den besonderen Status der Psychoanalyse als Wissenschaft aus und unter welchen epistemologischen und wissenschaftstheoretischen Voraussetzungen lässt sich ihr spezifischer Wissenschaftscharakter feststellen? Bei Freud selbst finden sich hierzu zahlreiche Möglichkeiten, doch sind seine Ausführungen keineswegs abschließend oder eindeutig. Einerseits wollte Freud die Psychoanalyse verstanden wissen wie jede andere Naturwissenschaft auch, anderseits sind seine Krankengeschichten zu lesen „wie Novellen“, die „des ernsten Gefüges der Wissenschaftlichkeit entbehren“. Unabhängig von Freuds eigener Reflexion wurde die psychoanalytische Lehre schließlich immer wieder der Frage unterworfen, ob es sich um eine empirische Wissenschaft handelt, die den experimentellen Nachweis ihrer Hypothesen noch zu erbringen habe, oder gar um eine Pseudowissenschaft. Paul Ricoeur und Jürgen Habermas bieten alternative Rekonstruktionen psychoanalytischer Erkenntniskonstruktion, werden jedoch womöglich dem Freudschen Unternehmen nicht gerecht. In letzter Zeit schließlich haben sich Wirksamkeitsstudien einer evidenzbasierten Medizin vor allem der Frage gewidmet, ob Psychoanalyse als Therapieform nachweislich hilft oder nicht. Nachweise von Wissenschaftlichkeit und Wirksamkeit setzen jedoch einen naturwissenschaftlich geprägten Szientismus voraus. Das Seminar will nicht zur Rehabilitation einer psychoanalytischen Lehre beitragen, aber für eine kritische Selbstreflexion werben, die mit der Frage nach der Wissenschaftlichkeit einhergeht.

Teilnahmevoraussetzung:
Seminar setzt keine besonderen Vorkenntnisse hinsichtlich der zu behandelnden Themenbereiche voraus. Erwartet wird aber die Bereitschaft zur intensiven Beschäftigung mit den zugrunde gelegten Texten, zur umfangreichen Lektüre sowie die aktive Teilnahme an den Diskussionen. Die Übernahme eines Impulsreferates zu einem von allen gelesenen Text ist Teil der Studienleistung.

Bitten beachten Sie: Bis zum 15. Februar 2018 wird ein kurzes Motivationsschreiben (max. 400 Wörter) erbeten. Neben kurzen Angaben zur Person (Name, Fachsemester) stellen Sie bitte (in vollständigen Sätzen) Ihre Idee für einen möglichen Beitrag vor, aus der hervorgeht, wie und weshalb Sie das Thema des Seminars aufgreifen möchten. Bitte senden Sie Ihr Motivationsschreiben per E-Mail an: stammberger(at)imgwf.uni-luebeck(dot)de. Eine Rückmeldung bezüglich der Teilnahme erhalten Sie zeitnah.

Qualifikationsziele/Kompetenzen
• Theorieverständnis, Kritikfähigkeit, diskursive Auseinandersetzung mit wichtigen Texten zum Thema
• Kritisches Reflektieren der Publikationspraxis in den psychologischen Wissenschaften
• Erkenntnistheoretische Kritik der Psychologie und Psychoanalyse

Seminarplan

 

Wahlfach: Einstieg in die qualitative Forschung / Werkstatt qualitative Forschung

Modul PY1911-KP04 / PY4894-KP04

Dozierende/Modulverantwortliche: Prof. Lisa Malich

Zeit und Ort
mittwochs, 18-21 Uhr im Hörsaal des IMGWF, Königstr. 42

11.4. Seminar
18.4. Kombination mit Colloquium
25.4. Seminar
16.5. Kombination mit Colloquium
23.5. Kombination mit Colloquium
30.5. Seminar
06.06. Seminar
13.06. Kombination mit Colloquium
20.06. Seminar
04.07. Kombination mit Colloquium
11.07. Seminar


Exemplarische Lehrinhalte, die mit den Teilnehmenden zusammen erarbeitet werden

  • Quellenarbeit und Forschungssettings in der historischen Wissenschaftsforschung
  • Qualitative Methoden in der Psychologie
  • Theorien zu qualitativer Forschung, insbesondere Grounded Theory und Hermeneutik
  • Praktisches Vorgehen beim Entwickeln einer eigenständigen qualitativen Forschungsfrage (Eingrenzung der Fragestellung, Methodenauswahl, Interpretation)


Qualifikationsziele:

  • Die Studierenden erhalten Einblick in qualitative Forschung.
  • Sie üben, ein eigenständiges Forschungsprojekt zu entwickeln, zu beschreiben und teilweise umzusetzen.
  • Sie kennen Grundbegriffe und einige zentrale Methoden der Wissenschaftsforschung und der qualitativen Psychologie (insbesondere Diskursanalyse, leitfadengestütztes Interview)
  • Sie können wissenschaftliche Fachliteratur zu dem o.g. Themenspektrum reflektieren und in der Gruppe kritisch diskutieren.
  • Sie erwerben Kompetenzen in interdisziplinärer Diskussion (Psychologie, Philosophie, Soziologie, Geschichte).


Vergabe von Leistungspunkten und Benotung durch:

  • Referat (Vorstellung eines theoretischen Texts oder eines eigenen Projektentwurfs)
  • B-Schein (unbenotet)


Literatur:

  • Hagner, M. (2001). Ansichten der Wissenschaftsgeschichte. In M. Hagner (Ed.), Ansichten der Wissenschaftsgeschichte (pp. 7-43). Frankfurt am Main: Fischer.
  • Mey, G., & Mruck, K. (Eds.). (2017). Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie. Berlin: Springer VS.
  • Texte zur gemeinsamen Lektüre werden in der Veranstaltung bekannt gegeben.

 

 

 

 

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Lübeck kämpft für seine Uni