Ethik, Epistemologie und Sozialforschung

Verschiedene Projekte am IMGWF befassen sich mit den ethischen Fragen der Genetik und Genomik, der Embryo- und Stammzellforschung, der Gentherapie, der Neurowissenschaften, der Transplantationsmedizin, der medizinischen Behandlungen am Lebensende und generell mit neuen Problemen biomedizinischer Forschungsethik. Dabei werden sowohl direkt praxisrelevante Probleme in Bezug auf Entscheidungen und Regelung geklärt wie auch grundsätzliche philosophische und methodologische Themen untersucht.

Der dabei verfolgte Ethikansatz ist sensibel für die kulturellen, historischen und gesellschaftlichen Kontexte, aus denen heraus sich ethische Fragen stellen. Deshalb wird ein besonderer Wert auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Philosophie mit den Kultur- und Sozialwissenschaften gelegt. Das Ziel der Klärung ist zunächst ein differenziertes Verständnis der Bedeutung der ethischen Fragen aus den verschiedenen Perspektiven Betroffener und Beteiligter heraus (Patienten, Ärzte, Pflegende, Angehörige, Forscher etc.). Diese Perspektiven werden sozialwissenschaftlich erfasst und ethisch interpretiert. Zeugnisse Beteiligter können aber nur richtig gedeutet und angemessen mit Argumenten über das Gute und Gerechte, d.h. mit Normen und Werten, verknüpft werden, wenn gleichzeitig die gesellschaftlichen Sinnkonstrukte, Deutungsmuster und auch die politisch-institutionellen Bedingungen der betreffenden Problemlagen erforscht werden.

Ethische Fragen sind häufig verzahnt mit epistemologischen Fragen. Es geht um die Möglichkeit der Verbindung verschiedener Wissens- und Nichtwissenstypen: etwa von historischem, soziologischem, medizinischem, naturwissenschaftlichem, technischem, lebensweltlichem Wissen mit einer individuell und gesellschaftlich geführten Reflexion über Moral. Dazu kommen die Symbole und Metaphern, welche nicht nur im Bereich der Genetik aktiv sind (dort z.B. in der Idee eines „genetischen Programms“).

Innovative Forschung in den biomedizinischen Wissenschaften muss sich für das Unvorhersehbare bereithalten, ohne dieses Neue bereits antizipieren zu können. Moralische Beurteilungen entstehen aber oft auf der Grundlage des schon Bekannten und Erwarteten. Die ethischen Debatten entzünden sich an den Stellen, wo Werte unklar werden oder miteinander in Konflikt kommen. Lässt sich eine Ethik und eine Epistemologie entwickeln, die der Komplexität unserer Zeit gerecht wird? Welche konzeptionellen Koordinaten benötigte eine solche ethische Epistemologie oder epistemologische Ethik, um Experimentalkulturen wirklich transdisziplinär zu analysieren? 

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Lübeck kämpft für seine Uni