Das Kindeswohl im ethischen Konflikt?

Projektverantwortliche: 
Prof. Dr. Christina Schües & Prof. Dr. Christoph Rehmann-Sutter

Die Verständnisse dessen, was ein Kind braucht, um gut zu leben und glücklich zu werden, und inwiefern das Kindeswohl im Zusammenhang mit den Eltern, der Familie und der Gesellschaft gesehen werden müssen, sind umstritten und haben sich historisch stark gewandelt. Das "Wohl" war über lange Zeit ein Begriff, der dem Gelingen des Lebens von Erwachsenen vorbehalten war. Für Kinder sprach man eher von “Gedeihen” oder vom „Zögling“. Heute gehört der Begriff des Kindeswohls in das Standardinventar der juristischen, sozialwissenschaftlichen und psychotherapeutischen Auseinandersetzungen im Zusammenhang von Familienkonflikten und Scheidungsproblematiken, auch ist er in lebhafte Debatten im medizinethischen Kontext eingeführt. Das Kindeswohl als juristischer Begriff, der zumeist im gleichen Atemzug mit der Kindeswohlgefährdung genannt wird, und der allgemeiner Begriff des Wohls des Kindes berühren zeitlich sowohl die Gegenwart wie auch die Zukunft.

Der Fokus auf das Kindeswohl eröffnet in den jeweiligen Kontexten eine eigene Forschungsperspektive, die zwischen rationalen Kriterien, in Form von Normen und Werten, und der Empathie für die betroffenen Menschen vermittelt. Sie vermittelt zwischen der gelebten Praxis und der theoretischen Beobachtung, zwischen einem konkreten Thema und seiner narrativen Konstitution. Die damit verbundene Interpretation des Kindeswohlkonzepts wird von der Beobachtung gestützt, dass das Wohl des Kindes immer in generativen Beziehungen und sozialen Strukturen situiert ist. Um das Kindeswohl in ihrer biographischen, narrativen und normativen Bedeutung zu erfassen, nimmt die Forschungsperspektive Bezug auf Aspekte des guten Lebens, der Gerechtigkeit, der Beziehungen und der Zeitlichkeit. 

Unsere Forschungsperspektive setzt am konkreten Fall der pädiatrischen Stammzelltransplantation ein:
Bei Krankheiten, die mit einer Transplantation von hämatopoietischen Stammzellen behandelt werden können, gibt es einen grundlegenden rechtlichen und ethischen Konflikt: Das Wohl des einen Geschwisterkindes ist nicht gleichbedeutend mit dem Wohl des anderen. Der Eingriff, der zur Spende von Knochenmark- oder peripheren Blutstammzellen notwendig ist, hat in Bezug auf das Spenderkind keine medizinische Indikation. Die Indikationsstellung liegt allein beim Empfängerkind. Die Entfaltung und die Diskussion einer triangulär verstrickten Konstellation können helfen, die ethischen Gesichtspunkte zu verstehen, wenn man fragt, wie mit Kindern umgegangen wird oder werden sollte und welche Rolle hierbei der Familie und der medizinischen Praxis zukommt.

Diese konkrete Fallkonstellation, die generelle Einsichten in die Thematik des Kindeswohls im ethischen Konflikt verspricht, wurde in einem philosophischen und wird in einem qualitativ-sozialwissenschaftlichen ("empirisch-ethischen") Projekt bearbeitet.

Stammzelltransplantationen und Retterbeziehungen. Ethik, narrative Rekonstruktion und psychosoziale Implikationen pädiatrischer Blutstammzelltransplantationen
Gefördert vom BMBF ab Juni 2016
Detaillierte Informationen

 

Abgeschlossenes Projekt:
Das Kindeswohl im ethischen Konflikt: Knochenmark- und Blutstammzellspenden von Kindern an Familienmitglieder
Gefördert von der Thyssen Stiftung Oktober 2012 bis September 2015  
Detaillierte Informationen

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