Seminare im Wintersemester 2017/18

Alle Studierenden, die von Frau Katalinic (Studiendekanat) einen Platz in GTE erhalten haben, nehmen an einem Seminar teil. Anmeldungen können vom 16. Oktober 2017, 12 Uhr bis 29. Oktober 2017, 18 Uhr über Moodle getätigt werden. Dafür benötigen Sie einen Einschreibeschlüssel, der Ihnen vorher per E-Mail zugeschickt wird.

Folgende Seminare werden im Wintersemester 2017 angeboten:

Wöchentliche Seminare

Gruppe 1: Medizinethisches Fallseminar (Rehmann-Sutter)

dienstags, 18:15 bis 19:45 Uhr (zum Teil Doppelsitzungen), Seminarraum im Dachgeschoss, IMGWF
Termine: 7., 14., 21., 28. Nov., 5., 12., 19. Dez., 9., 16., 23., 30. Jan.

In diesem wöchentlich stattfindenden Seminar behandeln wir spezielle Fallkonstellationen aus der ärztlichen Praxis, in denen je eine spezielle ethische Problematik auftritt. Die Fälle stammen aus unterschiedlichen Medizinbereichen wie der Chirurgie, der Transplantationsmedizin, der Fortpflanzungsmedizin, der Genetik, der Onkologie oder der Palliativmedizin. Anhand der Falldiskussionen lassen sich verschiedene Methoden der Medizinethik einüben, vergleichen und kritisch diskutieren. Neben dem Methodenvergleich der Ethik stellt sich jeweils auch die Frage nach den eigentlichen Zielen der Medizin, wenn sie nicht nur eine Technik zur Lebenserhaltung und zur Behandlung von Krankheiten sein will, sondern eine zwischenmenschliche Praxis, die sich an einem ethischen Ideal des guten Lebens orientiert.



Blockseminare

Gruppe 2: Ethik in der Pädiatrie (Schües)

Termin: Blockseminar von Freitag, 24.11.2017 bis Sonntag, 26.11.2017, Beginn am Freitag: 16 Uhr, Seminarraum im Dachgeschoss , IMGWF (am 25./26.11. im Hörsaal)
Vorbesprechung: Mittwoch, 8. November 2017, 18:30 Uhr, Hörsaal, IMGWF

Kinder können ihre informierte Zustimmung zu Therapien, Forschungsbeteiligung oder Blut-, Gewebe- oder Organspenden nicht oder nur eingeschränkt geben. So sieht es der Gesetzgeber vor. Einige medizinische Entscheidungen werden sogar vor ihrer jeweiligen Existenz getroffen, etwa im Falle der sogenannten "Retterkinder". Allerdings sehen juristische und ethische Richtlinien diese Zustimmung vor, wenn es um medizinische Interventionen in den Körper eines kranken oder auch gesunden Menschen geht. Mit welchen Argumenten oder Rechtfertigungen kann das Recht auf die Unversehrtheit des Körpers außer Kraft gesetzt werden? Sich widerstreitende, aber auch miteinander verschränkte rechtliche, politische, wirtschaftliche und ethische Diskurse bestimmen die Praxis eigennütziger oder fremdnütziger medizinischer Interventionen. Diese unterschiedlichen Diskurse sind Thema der Seminardiskussionen, die jeweils von unterschiedlichen Fallkonstellationen ausgehen werden.

Gruppe 3: Medizin und Nationalsozialismus
(Weiss)

Termin: Blockseminar von Freitag, 8.12.2017 bis Sonntag, 10.12.2017, Beginn am Freitag: 16 Uhr, Hörsaal, IMGWF Vorbesprechung: Dienstag, 7. November 2017, 18:30 Uhr, Hörsaal, IMGWF

"Nationalsozialismus ist angewandte Biologie." Dieses Diktum von Rudolf Hess, dem sog. Stellvertreter des Führers, kennzeichnet das "Dritte Reich" aus heutiger Sicht als 'biopolitische Entwicklungsdiktatur'. Die Umsetzung seiner Ziele im Rahmen von Eugenik, Euthanasie und Holocaust geschah mit aktiver Unterstützung der Mehrheit der deutschen Ärzteschaft. Wie es dazu kommen konnte, dass Ärzte zu Hitlers wichtigsten und willigsten Helfern wurden, soll im Seminar rekonstruiert und diskutiert werden.


Gruppe 4: Anstalten machen: Gebaute Psychiatrie (Cornelius Borck)

Termin: Blockseminar von Freitag, 15.12.2017 bis Sonntag 17.12.2017, Beginn am Freitag: 16 Uhr, Hörsaal, IMGWF Vorbesprechung: Mittwoch, 15. November 2017, 18:30 Uhr, Hörsaal, IMGWF

Vielleicht gehört das Verrücktsein einfach zum Menschen dazu. Zeugnisse über Ausnahmezustände und Andersartigkeiten, die wir heute psychische Störungen nennen, haben wir aus verschiedensten Zeiten und Kulturen. Aber erst vor rund 200 Jahren fing man an, solche Menschen in spezialisierte Einrichtungen einzusperren, vor 100 Jahren galt die Anstalt als das zentrale therapeutische Prinzip einer inzwischen Fachwissenschaft gewordenen Psychiatrie, und heute sind weltweit die meisten Anstalten wieder aufgelöst (und das keineswegs weil inzwischen die Therapie so viel besser geworden ist). Das Blockseminar nimmt diese Geschichte zum Anlass, sich der Psychiatrie von ihrer gebauten Praxis her zu nähern: der Anstalt. Wir sammeln Materialien zu den verschiedensten Anstalten weltweit und diskutieren die Argumente der Psychiater (und ihrer Kritiker) pro und contra Anstalt von damals bis heute.


Gruppe 5: Männlich ≠ weiblich und noch mehr? Konstruktionen von Geschlecht in der Geschichte der Medizin oder: wie man Medizingeschichte queer lesen kann
(Birgit Stammberger/David Keller)
Termin: Blockseminar von Freitag, 15.12.2017 bis Sonntag 17.12.2017, Beginn am Freitag: 16 Uhr, Seminarraum im Dachgeschoss, IMGWF Vorbesprechung: Donnerstag, 9. November 2017, 18:30 Uhr, Hörsaal, IMGWF

Unter dem Titel „männlich ≠ weiblich und noch mehr?“ möchte das Seminar eine Perspektive auf die Medizin und ihre Geschichte einnehmen, bei der die unterschiedlichen Begründungsformen von Geschlecht im Zentrum stehen. Was also ist gemeint mit einer Kritik an der Zwei-Geschlechter-Differenz, und wieso ist die so vielfach selbstverständliche Tatsache, dass es Männer und Frauen gibt, problematisch? Welche Rolle spielt die Medizin bei der Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit und warum sollte sie sich mit diesen Fragen beschäftigen? Was also verspricht die kritische Beschäftigung mit dem medizinischen Geschlechterwissen, und wieso können die Auseinandersetzungen um Inter- und Transsexualität eine Möglichkeit bieten, zu einem anderen, die pluralen und vielfältigen Dimensionen anerkennenden Geschlechterwissens zu kommen?


Gruppe 6: Die Dinge zum Sprechen bringen… - Objektbasierte Medizingeschichte
(Cornelius Borck/Ulrich Mechler, CAU)

Termin: Blockseminar von Freitag, 12.1.2018 bis Sonntag, 14.1.2018, Beginn am Freitag: 16 Uhr, Hörsaal, IMGWF Vorbesprechung: Dienstag, 21. November 2017, 18:30 Uhr, Hörsaal, IMGWF

Ärztliches Handeln ist oft an den Gebrauch technischer Objekte gebunden. Das können einfachste Hilfsmittel oder komplexe Apparaturen sein. Manche Dinge sind fast vergessen, und ihr Gebrauch lässt sich nur noch mühsam erschließen. Andere Dinge, etwa das Fieberthermometer oder das Stethoskop, erscheinen uns heute so selbstverständlich, dass sich nur schwer ermessen lässt, wie tiefgreifend sie einst die ärztliche Praxis verändert haben: Sie sind Zeugnisse eines Paradigmenwechsels, der gleich auch noch das Arzt-Patienten-Verhältnis neu konfiguriert hat. Historische Objekte der Medizin sind also nicht nur Relikte einer weniger gut entwickelten Technik, sondern ein ganzer Komplex ethischer Wertvorstellungen, sozio-kultureller Bedeutungen und wissenschaftliche Ambitionen ist an die Dinge angelagert. Und oft sind solche Dinge die einzigen Zeugnisse, die ein Licht auf die alltägliche Praxis vergangener Behandlungsmethoden werfen. Das Seminar untersucht wichtige Stationen der klinisch-wissenschaftlichen Medizin im 19. und 20. Jahrhundert anhand ausgewählter originaler Objekte aus den Beständen der Medizinhistorischen Sammlung der Universität Kiel. Als Seminarteilnehmer sollen Sie sich in kleinen Arbeitsgruppen (2 Studierende) intensiv jeweils mit einem historischen Objekt beschäftigen, das Sie bereits in der Vorbesprechung kennenlernen und das Sie nach intensiver Recherche den Teilnehmern beim Blockseminar vorstellen – quasi als objektgeschichtliche Tiefenbohrung.


Gruppe 7: Kolonialmedizin
(Burghard Weiss)

Termin: Blockseminar von Freitag, 12.1.2018 bis Sonntag 14.1.2018, Beginn am Freitag: 16 Uhr, Hörsaal, IMGWF Vorbesprechung: Dienstag, 14. November 2017, 18:30 Uhr, Hörsaal, IMGWF

„Erst impfen, dann reisen!“ Mit diesem Slogan wirbt das tropenmedizinische Institut der Charité gegenwärtig großflächig auf Berliner Litfaß-Säulen. Während unsere fernreisefreudigen Landsleute die reisemedizinischen Dienstleistungen des Berliner und artverwandter Institute gern und oft in Anspruch nehmen und die Tropen- und Reisemedizin damit zu einem boomenden und für die Institute lukrativen Geschäft werden lassen, dürfte den wenigsten von ihnen bewusst sein, dass diese uns heute so nützliche Disziplin der Medizin ihre Entstehung kolonialen Machtverhältnissen verdankt. Beginnend mit der europäischen Expansion im 15. Jahrhundert erreichte der europäische Kolonialimperialismus im späten 19. Jahrhundert seinen Höhepunkt. Die Medizin wurde damit vor die Aufgabe gestellt, europäische Reisende, Händler und Missionare, Siedler und Soldaten gegen die gesundheitlichen Gefahren tropischer Gefilde zu immunisieren bzw. - weniger ambitioniert – die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken zu minimieren. Mit der Ausbeutung der Kolonien als außenwirtschaftlicher Ressource geriet dann im Rahmen einer „Menschenökonomie“ auch die Arbeitskraft der indigenen Bevölkerung in den Blick der Medizin. Die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts etablierende Mikrobiologie, Infektiologie und Parasitologie erhielt dadurch ganz wesentliche Impulse. Das Seminar soll die Genese der Tropenmedizin aus ihren kolonialen Ursprüngen, ihre Motive und Methoden, historisch kritisch rekonstruieren und dabei die Frage thematisieren, ob die koloniale Ordnung der Welt als „heikles Erbe“ bis in unsere Tage fortwirkt.

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