Seminare im Sommersemester 2017

Alle Studierenden, die von Frau Katalinic (Studiendekanat) einen Platz in GTE erhalten haben, nehmen an einem Seminar teil. Anmeldungen können vom 27. März 2017, 12 Uhr bis 2. April 2017, 18 Uhr über Moodle getätigt werden. Dafür benötigen Sie einen Einschreibeschlüssel, der Ihnen vorher per E-Mail zugeschickt wird.

Folgende Seminare werden im Sommersemester 2017 angeboten:

Wöchentliche Seminare

Gruppe 1: Medizinethisches Fallseminar (Rehmann-Sutter)
dienstags, 18:15 bis 19:45 Uhr, Seminarraum im Dachgeschoss, IMGWF

In diesem wöchentlich stattfindenden Seminar behandeln wir spezielle Fallkonstellationen aus der ärztlichen Praxis, in denen je eine spezielle ethische Problematik auftritt. Die Fälle stammen aus unterschiedlichen Medizinbereichen wie der Chirurgie, der Transplantationsmedizin, der Fortpflanzungsmedizin, der Genetik, der Onkologie oder der Palliativmedizin. Anhand der Falldiskussionen lassen sich verschiedene Methoden der Medizinethik einüben, vergleichen und kritisch diskutieren. Neben dem Methodenvergleich der Ethik stellt sich jeweils auch die Frage nach den eigentlichen Zielen der Medizin, wenn sie nicht nur eine Technik zur Lebenserhaltung und zur Behandlung von Krankheiten sein will, sondern eine zwischenmenschliche Praxis, die sich an einem ethischen Ideal des guten Lebens orientiert.

Termine: 11. 4. (Vorbesprechung), 18. 4., 25. 4., 2. 5., 16. 5., 23. 5., 30. 4., 6. 6., 20. 6., 27. 6., 4. 7., 11. 7. (zwei Mal davon als Doppelsitzung mit Picknick)

Gruppe 2: Wie macht Medizin Sinn? Zur Kritik der Evidenz-basierten Medizin (Borck)
Montags: 19:00 bis 21:15 Uhr (3-stündig), Seminarraum im Dachgeschoss, IMGWF

Termine:10.4. / 24.4. / 8.5. / 15.5. / 22.5. / 29.5. / 12.6. / 19.6. / 26.6.

Als das entscheidende Kriterium guter Diagnostik und Therapie gilt heute die nachgewiesene Wirksamkeit, zumeist mittels randomisierter klinischer Studien (RCTs). Das war nicht immer so, vielmehr stellt die Einführung der sogenannten Evidenz-basierten Medizin (EBM) weltweit eine der größten Zäsuren der medizinischen Praxis dar. Welche wissenschaftstheoretischen Überlegungen stehen hinter dieser Transformation? Wie haben sie die medizinische Praxis und das Gesundheitssystem verändert? Welche neuen Probleme ergeben sich aus der EBM? Und was macht überhaupt eine gute Medizin aus? Welche Medizin macht im Einzelfall Sinn? Diesen Fragen geht das Seminar nach, in dem an jedem Termin ein eigenes Thema intensiv diskutiert wird: Philosophie der EBM, Die Welt klinischer Studien, Unsicherheit und Nichtwissen, Seltene Erkrankungen und neue Therapieansätze, Off-label use im Kindesalter, Probleme der richtigen Medizin am Lebensende, Transparenz und Effizienz im Gesundheitssystem, Personalisierte Medizin, Wie werde ich im Arztberuf glücklich? Voraussetzung zur Teilnahme ist die gründliche Lektüre auch englischer Aufsätze, anstelle von Referaten gibt es schriftlich zu beantwortende Fragen und Diskussionsleitungen.

Gruppe 3: Ethische Aspekte der Pädiatrie (Schües)
mittwochs, 18:30 bis 20:00 Uhr, Seminarraum im Dachgeschoss, IMGWF
Beginn: 12.4.2017 Termine: 12.4., 3.5. (Doppelsitzung), 10.5. (Doppelsitzung), 17.5., 24.5., 31.5. (Doppelsitzung), 14.6., 21.6., 28.6. (Doppelsitzung), 12.7.

Kinder können ihre informierte Zustimmung zu Therapien, Forschungsbeteiligung oder Blut-, Gewebe- oder Organspenden nicht oder nur eingeschränkt geben. So sieht es der Gesetzgeber vor. Einige medizinische Entscheidungen werden sogar vor ihrer jeweiligen Existenz getroffen, etwa im Falle der sogenannten "Retterkinder". Allerdings sehen juristische und ethische Richtlinien diese Zustimmung vor, wenn es um medizinische Interventionen in den Körper eines kranken oder auch gesunden Menschen geht. Mit welchen Argumenten oder Rechtfertigungen kann das Recht auf die Unversehrtheit des Körpers außer Kraft gesetzt werden? Sich widerstreitende, aber auch miteinander verschränkte rechtliche, politische, wirtschaftliche und ethische Diskurse bestimmen die Praxis eigennütziger oder fremdnütziger medizinischer Interventionen. Diese unterschiedlichen Diskurse sind Thema der Seminardiskussionen, die jeweils von unterschiedlichen Fallkonstellationen ausgehen werden.


Blockseminare

Gruppe 4: Schmerz: Musik und Medizin im Dialog (Borck)
Termin: Blockseminar von Freitag, 5.5.2017 bis Sonntag 7.5.2017, Beginn am Freitag: 16 Uhr, Seminarraum im Dachgeschoss (Fr) bzw. Hörsaal (Sa/So), IMGWF
Vorbesprechung: Dienstag, 18. April 2017, 18:30 Uhr, Hörsaal, IMGWF

Das Phänomen Schmerz stellt uns vor ein Paradox: Zum einen sind die Behandlungsmöglichkeiten von Schmerzen so effektiv wie nie zuvor und versprechen eine Zukunft ohne Schmerz. Zum anderen zählen chronische Schmerzen heute zu den häufigsten Krankheitsbildern der westlichen Welt und stellen für die moderne Medizin nach wie vor ein schwieriges Problem dar. Können wir dem Phänomen Schmerz vielleicht besser auf die Spur kommen, wenn wir den Bereich der Medizin verlassen und die Kunst zu Rate ziehen? Das Seminar will dieses Experiment machen und dabei gezielt die Auseinandersetzung mit Schmerz in der Musik untersuchen: Im Zentrum sollen musikalische Beispiele stehen, die vielleicht in den Ohren wehtun oder zum Heulen schön klingen. Was passiert dabei eigentlich, welche Hörerfahrungen machen wir? Welche Rolle spielen unsere Hörgewohnheiten und was kann Musik im Umgang mit Schmerz zeigen oder erfahrbar machen? Die Beispiele können von großer Oper bis zum Punk oder zur Experimentalmusik reichen. Es geht nicht um musikwissenschaftliche Spezialkenntnisse, sondern um ein immer wieder offenes Ohr und die Bereitschaft sich auf Klänge einzulassen. – Jede/r bringe bitte die intensive Beschäftigung mit einem Klangbeispiel mit! Von dort aus werden wir uns dann auch mit medizinischen Fragen beschäftigen, von der Musikwahrnehmung und Hörphysiologie über Konzepte zum Schmerzlernen und zur Chronifizierung von Schmerzen bis zur Musiktherapie.

Gruppe 5: Medizin und Nationalsozialismus (Weiss)
Termin: Blockseminar von Freitag, 16.6.2017 bis Sonntag, 18.6.2017, Beginn am Freitag: 16 Uhr, Hörsaal, IMGWF
Vorbesprechung: 3. Mai 2017, 19 Uhr, Hörsaal, IMGWF

"Nationalsozialismus ist angewandte Biologie." Dieses Diktum von Rudolf Hess, dem sog. Stellvertreter des Führers, kennzeichnet das "Dritte Reich" aus heutiger Sicht als 'biopolitische Entwicklungsdiktatur'. Die Umsetzung seiner Ziele im Rahmen von Eugenik, Euthanasie und Holocaust geschah mit aktiver Unterstützung der Mehrheit der deutschen Ärzteschaft. Wie es dazu kommen konnte, dass Ärzte zu Hitlers wichtigsten und willigsten Helfern wurden, soll im Seminar rekonstruiert und diskutiert werden.

Gruppe 6: Psychoaktive Stoffe – Geschichte, Kultur und Ethik pharmakologischer Zugriffe auf die Psyche (Keller)
Termin: Blockseminar von Freitag, 23.6.2017 bis Sonntag, 25.6.2017, Beginn am Freitag: 16 Uhr, Hörsaal, IMGWF
Vorbesprechung: Mittwoch, 26. April 2017, 18:30 Uhr, Seminarraum im Dachgeschoss, IMGWF

Stoffgebundene Interventionen, die auf die Psyche abzielen, sind wahrscheinlich so alt wie die menschliche Kulturgeschichte. Mit der Entstehung der Psychopharmakologie innerhalb der medizinischen Forschung ist im Verlauf des 20. Jahrhunderts jedoch ein differenziertes Spektrum an Stoffgruppen hervorgebracht worden, die mit dem Versprechen einhergehen, die „gestörte Psyche“ wieder in Balance zu bringen. Die Konzeption dieser „modernen“ Psychopharmaka, die vor allem ab den 1950er Jahren ihren Lauf nahm, hatte nicht nur eine wichtige Funktion für die Positionierung der Psychiatrie als moderne medizinische Disziplin, sondern führte in der westlich-industrialisierten Welt auch zu einer deutlichen Veränderung der Behandlungspraxis wie auch der Definition psychiatrischer Erkrankungen. Dass sich derartige Interventionen nicht allein auf „krankheitswertige“ Erscheinungen beschränken, zeigt die in den letzten Jahren intensiv geführte Debatte über Neuroenhancement: Hier steht die Funktionsoptimierung „gesunder“ Gehirne im Zentrum, um diese fit für den Wettbewerb in einer globalen Leistungsgesellschaft zu machen. Der Konsum von „Designer Drugs“ in der Freizeit und die Rezeption entsprechender Substanzen in der Populärkultur macht anschaulich, dass psychoaktive Stoffe je nach Kontext mit sehr verschiedenen Funktionen, Normen und Praktiken verknüpft sind. Das Seminar nimmt diese Vielschichtigkeit psychoaktiver Stoffe und ihre Verflechtung mit medizinischen wie auch gesellschaftlichen Diskursen zum Ausgangspunkt, um ihre historischen Entwicklungslinien, ihre kulturelle Einbettung und die ethischen Implikationen ihrer Verwendungsweisen zu beleuchten. Neben wissenschaftsgeschichtlichen und kulturwissenschaftlichen Publikationen stützt sich das Seminar dazu auf populäre Quellen (zum Beispiel Zeitungs- und Zeitschriftenartikel), mediale Inszenierungen (wie Filme oder Dokumentationen) wie auch literarische Verarbeitungen psychopharmakologischer Erfahrungen.

Gruppe 7: Kolonialmedizin (Weiss)
Termin: Blockseminar von Freitag, 30.6.2017 bis Sonntag 2.7.2017, Beginn am Freitag: 16 Uhr, Seminarraum im Dachgeschoss, IMGWF
Vorbesprechung: Dienstag, 2. Mai 2017, 19 Uhr, Hörsaal, IMGWF

„Erst impfen, dann reisen!“ Mit diesem Slogan wirbt das tropenmedizinische Institut der Charité gegenwärtig großflächig auf Berliner Litfaß-Säulen. Während unsere fernreisefreudigen Landsleute die reisemedizinischen Dienstleistungen des Berliner und artverwandter Institute gern und oft in Anspruch nehmen und die Tropen- und Reisemedizin damit zu einem boomenden und für die Institute lukrativen Geschäft werden lassen, dürfte den wenigsten von ihnen bewusst sein, dass diese uns heute so nützliche Disziplin der Medizin ihre Entstehung kolonialen Machtverhältnissen verdankt. Beginnend mit der europäischen Expansion im 15. Jahrhundert erreichte der europäische Kolonialimperialismus im späten 19. Jahrhundert seinen Höhepunkt. Die Medizin wurde damit vor die Aufgabe gestellt, europäische Reisende, Händler und Missionare, Siedler und Soldaten gegen die gesundheitlichen Gefahren tropischer Gefilde zu immunisieren bzw. - weniger ambitioniert – die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken zu minimieren. Mit der Ausbeutung der Kolonien als außenwirtschaftlicher Ressource geriet dann im Rahmen einer „Menschenökonomie“ auch die Arbeitskraft der indigenen Bevölkerung in den Blick der Medizin. Die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts etablierende Mikrobiologie, Infektiologie und Parasitologie erhielt dadurch ganz wesentliche Impulse. Das Seminar soll die Genese der Tropenmedizin aus ihren kolonialen Ursprüngen, ihre Motive und Methoden, historisch kritisch rekonstruieren und dabei die Frage thematisieren, ob die koloniale Ordnung der Welt als „heikles Erbe“ bis in unsere Tage fortwirkt.

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Lübeck kämpft für seine Uni