Seminare im Wintersemester 2018/19

Alle Studierenden, die von Frau Katalinic (Studiendekanat) einen Platz in GTE erhalten haben, nehmen an einem Seminar teil. Anmeldungen können vom 1. Oktober 2018, 12 Uhr bis 7. Oktober 2018, 18 Uhr über Moodle getätigt werden. Dafür benötigen Sie einen Einschreibeschlüssel, der Ihnen vorher per E-Mail zugeschickt wird.

Folgende Seminare werden im Wintersemester 2018 angeboten:

Wöchentliche Seminare

Gruppe 1: Körper, Leib und medizinische Praxis (Christina Schües und Hannes Foth)
dienstags, 18:15 bis 19:45 Uhr, Seminarraum im Dachgeschoss, IMGWF
Beginn: 30. Oktober 2018 

Biomedizinische Praktiken setzen kulturelle, anthropologische und gesellschaftliche Vorstellungen von Körpern voraus und prägen sie zugleich. Allerdings stellt der Begriff des Körpers bereits eine Abstraktion vom gelebten Leib dar, der einerseits mit dem physikalischen Körper verbunden und andererseits durch die Erfahrung unser Zugang zur Welt ist. Der Leib steht im engen Verhältnis zum Selbst und unseren gesellschaftlichen Beziehungen. Die Gesellschaft und ihre Normen wiederum formen unseren Umgang mit Körpern und unsere Vorstellungen davon, wie Körper zu behandeln sind, was (normale) Körper sein dürfen und was nicht.

Im Seminar werden unterschiedliche Auffassungen des Körpers in historischen, anthropologischen, medizinischen und philosophischen Zusammenhängen diskutiert und zu medizinischen Praktiken in Beziehung gesetzt. Hierbei werden u.a. Themen wie Krankheit, Behinderung und Gesundheit, Transplantationen, Enhancement und die (Re)Produktion von Körpern untersucht und diskutiert.

Blockseminare

Gruppe 2: Medizinethik am Lebensanfang (Christoph Rehmann-Sutter)
Termin: Blockseminar von Freitag, 16.11.2018 bis Sonntag, 18.11.2018, Beginn am Freitag: 16 Uhr, Hörsaal, IMGWF
Vorbesprechung:  Donnerstag, 1. November 2018, 18:30 Uhr, Seminarraum im Dachgeschoss, IMGWF

Der Anfang des menschlichen Lebens ist selbst ein Rätsel. Biologische Fakten alleine reichen nicht aus, um unseren Ursprung zu verstehen. Wir sind geborene Wesen. Was heißt das? Was bedeutet das für die Ethik am Lebensanfang? Wir leben in Familienbeziehungen, werden vielleicht selbst Eltern. Insofern nehmen wir immer an Verantwortungsbeziehungen in intergenerationellen Zusammen­hängen teil. Die Embryologie und die Genetik können die Entwicklungsprozesse zwar immer genauer beschreiben und führt zu immer neuen Eingriffsmöglichkeiten wie Präimplantations- und Pränataldiagnostik, oder jetzt auch das „gene editing“. Diese Technologien gehören zu den moralisch und politisch kontroversesten Bereichen moderner Medizin. Einige von ihnen dienen nicht der Heilung, sondern sind Hilfsmittel für eine gezielte Selektion nach gesundheitlichen Kriterien. Wie steht das zur Ethik des Schwangerschaftsabbruchs? Die Einführung von nicht-invasiven Gentests (NIPT) tendiert dazu, bestehende Konsense in der Regulierung und in der Praxis der pränatalen Diagnostik aufzubrechen. Damit sind eine Reihe neuer ethischer Fragen aufgetaucht, die in diesem Blockseminar vor dem Hintergrund einiger der großen klassischen ethischen Fragen diskutiert werden.


Gruppe 3: Medizin und Nationalsozialismus
(Burghard Weiss)
Termin: Blockseminar von Freitag, 7.12.2018 bis Sonntag, 9.12.2018, Beginn am Freitag: 16 Uhr, Hörsaal, IMGWF
Vorbesprechung: Dienstag, 6. November 2018, 18:30 Uhr, Hörsaal, IMGWF

"Nationalsozialismus ist angewandte Biologie." Dieses Diktum von Rudolf Hess, dem sog. Stellvertreter des Führers, kennzeichnet das "Dritte Reich" aus heutiger Sicht als 'biopolitische Entwicklungsdiktatur'. Die Umsetzung seiner Ziele im Rahmen von Eugenik, Euthanasie und Holocaust geschah mit aktiver Unterstützung der Mehrheit der deutschen Ärzteschaft. Wie es dazu kommen konnte, dass Ärzte zu Hitlers wichtigsten und willigsten Helfern wurden, soll im Seminar rekonstruiert und diskutiert werden.

Gruppe 4:  What you see is what you get: Strategien der Sichtbarmachung in der Medizin (Cornelius Borck)

Termin: Blockseminar von Freitag, 14.12.2018 bis Sonntag 16.12.2018, Beginn am Freitag: 16 Uhr, Hörsaal, IMGWF
Vorbesprechung: 7. November 2018, 18:30 Uhr, Hörsaal IMGWF

Krankhafte Veränderungen sichtbar zu machen, gehört zu den wichtigsten diagnostischen Verfahren. Die Medizin entwickelt immer raffiniertere Verfahren, mit denen sie in die verborgensten Tiefen des Körpers vordringt, auch scheinbar ganz abstrakte Zusammenhänge visualisiert und winzige genetische Abweichungen zielsicher aufspürt. Damit stellt die Medizin dem konkreten menschlichen Leiden und dem Register individueller Beschwerden eine Systematik visualisierter Befunde gegenüber, sie objektiviert Krankheiten zu materiell fassbaren Gegenständen. Das stellt Patient/innen und Ärzt/innen vor eine Vielzahl neuer Herausforderungen, die im Zentrum des Seminars stehen: Was heißt es für die ärztliche Praxis, wenn nicht mehr eine geschickte Untersuchung und die tastenden Hände einer Medizinerin, sondern Apparate mit ihren Bildern über Therapien entscheiden? Wie verändert die instrumentelle Diagnostik die Arzt-Patient-Beziehung? Und was heißt es für den individuellen und gesellschaftlichen Umgang mit Krankheit, wenn nicht mehr die Erfahrung des Krankseins, sondern der objektivierte und visualisierte Befund im Zentrum steht? Was passiert, wenn sich Beschwerden nicht objektivieren lassen oder wenn objektive Befunde gefunden werden, denen keine Beschwerden korrespondieren? Welche Fragen wirft die prädiktive Diagnostik genetischer Risikofaktoren auf und wie verändert die Bildgebung die Psychiatrie? Was sind Zufallsbefunde und wie kann verantwortlich mit ihnen umgegangen werden? Und was wird aus der „Verborgenheit der Gesundheit“ (Gadamer), wenn Medizin nur noch um Sichtbares kreist?

Gruppe 5: Kolonialmedizin (Burghard Weiss)
Termin: Blockseminar von Freitag, 11.1.2019 bis Sonntag 13.1.2019, Beginn am Freitag: 16 Uhr, Hörsaal, IMGWF
Vorbesprechung: Dienstag, 13. November 2018, 18:30 Uhr, Hörsaal, IMGWF

„Erst impfen, dann reisen!“ Mit diesem Slogan wirbt das tropenmedizinische Institut der Berliner Charité großflächig auf Litfaß-Säulen. Während unsere reisefreudigen Landsleute die medizinischen Dienstleistungen dieses Berliner und artverwandter Institute gern und oft in Anspruch nehmen und die Tropen- und Reisemedizin damit zu einem boomenden und für die Institute lukrativen Geschäft werden lassen, dürfte den wenigsten von ihnen bewusst sein, dass diese uns heute so nützliche Disziplin der Medizin ihre Entstehung kolonialen Machtverhältnissen verdankt. Beginnend mit den Entdeckungsreisen im späten 15. Jahrhundert erreichte der europäische Kolonialismus im späten 19. Jahrhundert mit der Phase des sogenannten Kolonialimperialismus seinen historischen Höhepunkt. Die Medizin wurde im Zuge dessen vor die Aufgabe gestellt, Forschungsreisende, Händler und Missionare, Siedler und Soldaten gegen die gesundheitlichen Gefahren tropischer Gefilde zu immunisieren bzw. - weniger ambitioniert – die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken zu minimieren. Mit der Ausbeutung der Kolonien als außenwirtschaftlicher Ressourcen geriet dann im Rahmen einer „Menschenökonomie“ auch die Arbeitskraft der indigenen Bevölkerung in den Blick der Medizin. Die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts etablierende Mikrobiologie, Infektiologie und Parasitologie erhielt dadurch entscheidende Impulse. Das Seminar soll die Genese der Tropenmedizin aus ihren kolonialen Ursprüngen, ihre Motive und Methoden, historisch kritisch rekonstruieren und dabei auch die Frage thematisieren, wie die koloniale Ordnung der Welt als „heikles Erbe“ bis in unsere Tage fortwirkt.


Gruppe 6: Geschlechterwissen in der Medizin: Beispiele, Fallanalysen und Forschungsfelder
(Birgit Stammberger)
Termin: Blockseminar von Freitag, 18.1.2019 bis Sonntag 20.1.2019, Beginn am Freitag: 16 Uhr, Seminarraum im Dachgeschoss, IMGWF
Vorbesprechung: Donnerstag, 22. November 2018, 18:30 Uhr, Seminarraum im Dachgeschoss

Biologische Geschlechtermerkmale sind medizinisch relevante Tatsachen. Doch fragt man danach, wie in der Medizin Geschlechterverhältnisse bestimmt werden, so befindet man sich in einer Gemengelage von biologischen Tatsachen und kulturellen Zuschreibungen. Die Medizin macht ständig Aussagen über den Unterschied zwischen den Geschlechtern, jedoch umfassen sie stets mehr als genetische, hormonelle oder biomolekulare Spezifika. Zugleich sind die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Symptomen oder die Inanspruchnahme von medizinischen Vorsorgeuntersuchungen von Männern und Frauen bis heute nicht ausreichend erforscht. Was weiß die Medizin vom Geschlecht und den Unterschieden zwischen den Geschlechtern?

Im Seminar werden anhand einschlägiger Beispiele aus der Gendermedizin und der Männergesundheitsforschung sowie aktueller Debatten über Inter- und Transsexualität die vielfältigen Zusammenhänge von Medizin und Geschlecht in ihren unterschiedlichen Facetten entfaltet. Denn auch die Medizin ist Teil eines normierenden Zuschreibungsprozesses von Geschlecht und Geschlechterunterschieden, egal, ob diese Fragen explizit diskutiert oder erst gar nicht thematisiert werden.

Gruppe 7: Medizin in der Literatur (Cornelius Borck)
Termin: Blockseminar von Freitag, 18.1.2019 bis Sonntag 20.1.2019, Beginn am Freitag: 16 Uhr, Hörsaal, IMGWF
Vorbesprechung: Dienstag, 14. November 2018, 18:30 Uhr, Seminarraum im Dachgeschoss, IMGWF

Kranksein ist eine Grunderfahrung menschlichen Lebens – und entsprechend verwundert es nicht, dass Kranksein und Medizin immer wieder auch in literarischen Texten beschrieben und bearbeitet werden. Das Blockseminar ist als gemeinsames Lektüreseminar geplant: Jede/r Teilnehmer/in wählt ein literarisches Beispiel und bereitet zu dem Autor bzw. Werk eine gemeinsame Diskussion vor, die sich auf ausgewählte Textpassagen bezieht, die im Seminar gemeinsam gelesen und diskutiert werden. Das Seminar ist offen für Ihre Ideen und Vorschläge, sollte aber seinen Schwerpunkt in der modernen Literatur (von Thomas Mann bis David Wagner ) haben, damit die geschilderte Medizin und ihre Verfahren nicht zu fremd sind. Ziel der gemeinsamen Diskussionen ist es herauszuarbeiten, wie Literatur medizinisches Wissen und ärztliches Handeln verarbeitet und welche Potenziale Literatur hat, um mit Kranksein bzw. dessen medizinischer Bearbeitung adäquat umzugehen.

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