Dissertationsprojekt: Der Übergang von kurativer zu palliativer Therapie. Wann sollte kurative Medizin aufhören und Palliativmedizin beginnen?

Das Verständnis des Kurativ-palliativ-Überganges im Behandlungskontext der Palliativmedizin, Inneren Medizin und Onkologie

Dr. med. Ida Fuhr

Der Übergang von Kuration zu Palliation aus ärztlicher Sicht

Eine qualitative Interviewstudie

Hintergrund: Angesichts der Steigerung des durchschnittlichen Lebensalters im Rahmen der demografischen Veränderungen und den immer komplexer werdenden und häufig verlängerten Sterbeverläufen besteht erheblicher Forschungsbedarf bezüglich der Definition und praktischen Durchführung eines Übergangs von einer kurativen zu einer palliativen Behandlung. Die vorliegende Studie soll zu einem besseren ethischen Verständnis dieses Übergangs aus der Sicht von praktizierenden Medizinern beitragen.

Methodik: Die Datengewinnung basierte in Anlehnung an die Grounded Theory (Charmaz, Smith) einerseits auf qualitativen Interviews, in denen Ärzte aus den Fachbereichen Onkologie, Intensivmedizin/ Anästhesie, Geriatrie und Palliativmedizin befragt wurden und andererseits auf Feldstudien, die in den Bereichen Innere Medizin, Palliativmedizin und Onkologie durchgeführt wurden. Außerdem konnte mittels Literaturrecherchen ein theoretischer Einblick bezüglich der Übergangsthematik gewonnen und in den Kontext der praktischen Erfahrungen gesetzt werden. Die Auswertung  erfolgte durch Methoden der qualitativen Inhaltsanalyse (Mayring, Silverman).

Ergebnisse: Zusammenfassend konnten sprachspezifische, krankheitsspezifische und fachspezifische Unterschiede in der Interpretation und Beurteilung festgestellt werden, wann ein Übergang von Kuration zu Palliation durchgeführt und wie dieser definiert wird. Als verzögernde Faktoren im Rahmen der Entscheidungsfindung für einen Therapiewechsel wurde von Seiten der befragten Mediziner vor allem die individuelle Sicht des Patienten auf die adäquate Lebensqualität und die unklare Vorhersagbarkeit eines Krankheitsverlaufs erwähnt.

Schlussfolgerung: Durch die Ergebnisse der Studie wird deutlich, dass eine Notwendigkeit besteht, der palliativen Versorgung eine stärkere Bedeutung und Gewichtung in Bezug auf die kurative Therapierichtung zu geben. Eine intensivere Auseinandersetzung mit der Thematik und eindeutigere Regelungen, wie unheilbar erkrankte Patienten zu betreuen sind, sind daher erforderlich, um nicht potentiell mit einer lebensverlängernden Therapie auch eine Leidensverlängerung zu verursachen. 


Lebenslauf
1987 geboren in Berlin
2006 Abitur in Berlin
Seit 2006 Studium der Humanmedizin in Lübeck

Betreuung: Prof. Christoph Rehmann-Sutter
 

IMGWF Universität zu Lübeck - Königstrasse 42 - 23552 Lübeck - Fon +49 (0)451 707 998-12 - Fax +49 (0)451 707 998-99 - info@imgwf.uni-luebeck.de

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