Ethische Aspekte der Präimplantationsdiagnostik aus der Sicht betroffener Paare.

von Anna Scherk-Weber

Mit dieser Studie möchte ich mich mit den Erfahrungen, den Ansichten und der Perspektive betroffener Paare über Präimplantationsdiagnostik (PID) auseinandersetzen. Basierend auf qualitativen Interviews mit Paaren, die PID in Anspruch nehmen, möchte ich mich ihren individuellen Wahrnehmungen und ihrem persönlichen Erleben nähern. Wie beschreiben Paare die Praxis der PID und welche Aspekte sind für sie besonders wichtig? Welche Bedeutung hat die PID für sie, d.h. welches Problem wird für sie durch diese Technik gelöst? Welche ethischen Fragen sehen die Paare im Zusammenhang mit der von ihnen durchgeführten PID? Was die ethischen und moralischen Aspekte der PID anbelangt, so finden sich in der Literatur bisher hauptsächlich die Gedanken „Außenstehender“: Es wurden rechtliche, rechtsethische und moralische Fragen rund um die Frage der Zulässigkeit der PID debattiert, vor allem im Zusammenhang mit dem moralischen Status des Embryos und möglichen Implikationen der Selektion von Embryonen für die Eugenik. Das ist die Experten- und Anbieterperspektive. Um das Spektrum ethischer Aspekte umfassend zu betrachten, sollen auch die Erfahrungen und Ansichten Betroffener einbezogen werden. Betroffene haben eine eigene Deutungsmacht hinsichtlich der PID. Ich wähle in meiner Studie einen phänomenologischen Zugang zum Erfahrungskontext der Betroffenen (Interpretative phänomenologische Analyse nach Jonathan Smith). Die Betroffenen könnten z.B. durch ihre Reflexion im Kontext der familären Beziehungen theoretisch nicht deduzierbare, aber ethisch relevante Aspekte von PID eröffnen. Zudem ist es von einiger Bedeutung, die Wahrnehmungen und die Überlegungen Betroffener in die Gestaltung einer guten Praxis mit einfließen zu lassen.Es ist von besonderem Interesse, die ethischen Erwägungen der Betroffenen kennenzulernen, die ebenfalls Abgrenzungen vornehmen. Die Betroffenen könnten durch ihre authentisch geschilderten Erfahrungen z.B. dabei helfen, ein besseres Verständnis des Leidens- und Lastbegriffs zu erlangen („hohe Wahrscheinlichkeit“ und „schwerwiegende Erbkrankheit“ gem. PräimpG), was sonst abstrakter Theorie vorbehalten wäre. In dieser Hinsicht ist es interessant, von den Betroffenen selbst zu erfahren, was für sie Krankheit oder Behinderung bedeutet. Im Mittelpunkt steht dann nicht nur ein genetischer Befund, sondern das Erleben und Erfahren der Krankheit. 

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Lübeck kämpft für seine Uni