Zeitgeschichte der Medizin und Technik

Im Fokus der medizin-, wissenschafts- und technikhistorischen Forschung am IMGWF stehen die Lebenswissenschaften im 20. und 21. Jahrhundert sowie jene gesellschaftlichen und kulturellen Konstellationen der Zeit nach 1945 in der BRD und der DDR, welche den Verlauf der Medizin und der Technik bestimmt haben. Der Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Gesellschaft wird dabei in beiden Richtungen erforscht, sowohl als Frage nach den gesellschaftlichen Voraussetzungen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen als auch hinsichtlich der Frage, wie medizinische, bio- und technowissenschaftliche Deutungsangebote auf die soziale und kulturelle Situation in beiden Teilen Deutschlands zurückwirkten. Welche experimentell-naturwissenschaftlichen bzw. klinisch-therapeutischen Kulturen entwickelten sich? Welchen Einfluss hatten bedeutende Wissenschaftler- und Ärztepersönlichkeiten? Und welche Implikationen ergeben sich aus der historischen Forschung für ein angemessenes Verständnis gegenwärtiger medizinischer Praktiken und biotechnologischer Verfahren?

Ethik, Epistemologie und Sozialforschung

In verschiedenen Projekten werden epistemologische und ethische Fragen der modernen Medizin und der Biowissenschaften in ihren je spezifischen Zusammenhängen erforscht. Mit Methoden der Philosophie, der Science-and-Technology-Studies und der qualitativen Soziologie werden Voraussetzungen und Hintergründe zugänglich gemacht, um epistemologische und ethische Fragen in der nötigen Tiefenschärfe zu beschreiben und zu bearbeiten. Die Forschungsperspektiven richten sich auf die Konstituierung medizinischen Wissens, die anthropologischen Voraussetzungen, die politischen Implikationen und lebensweltliche Bedeutung des verwendeten Wissens, die moralische Wahrnehmung sowie auf die Erfahrungen der unterschiedlich Betroffenen im gesellschaftlichen Zusammenhang. Dazu gehört auch die Klärung ethischer Grundbegriffe und Methoden der Ethik in Auseinandersetzung mit medizinischen Bereichen wie etwa am Lebensanfang und am Lebensende, in der Transplantationsmedizin, der prädiktiven Gendiagnostik, beim Human Enhancement oder in der Hirnforschung. Besondere Schwerpunkte bilden die Herausarbeitung einer hermeneutisch-phänomenologischen Methode und die Integration von kultur- und sozialwissenschaftlichen Ansätzen in die normative Ethikforschung.

Kulturphilosophie und historische Wissenschaftsforschung

Das IMGWF betreibt historische Wissenschaftsforschung in kulturphilosophischer Perspektive. Im Zentrum stehen Kulturen des Wissens und deren Genese jenseits disziplinärer Verengungen. Vielmehr werden insbesondere die Prozesse der Disziplinierung von Wissen in den Blick genommen und an konkreten Beispielen beleuchtet. Hierzu streben die Forschungen des IMGWF notwendigerweise eine radikale Art des Fragens an: Wie hat sich die Untersuchung von Welt und Wirklichkeit historisch bis heute verändert? Wie konstruieren Medizin und Technik Wirklichkeit und welche Zukünfte eröffnen sie damit? Welche Zusammenhänge bestehen zwischen Wissenserwerb und gesellschaftlichen Interessen? Bei der Untersuchung dieser Prozesse legt die historische Wissenschaftsforschung auch davon Rechenschaft ab, selbst ein Teil des Systems Wissenschaft zu sein. Eine Herausforderung ist deshalb zu erklären, wie Subjekt und Objekt in ihrer Verschränkung zu denken sind.

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Lübeck kämpft für seine Uni